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30. September 2020, 10:13 UHR |

Das neue Wintersemester startet an deutschen Hochschulen im hybriden Modell

Expertin Prof. Scheunert gibt Tipps

Das Wintersemester an deutschen Hochschulen beginnt in den kommenden Tagen - und wie bereits im Sommersemester werden die meisten Vorlesungen und Seminare als virtuelles oder hybrides Studium angeboten werden. Wie kann die virtuelle Lehre gut funktionieren beziehungsweise was können Hochschulen hier noch besser machen? Expertin Prof. Dr. Uta Scheunert, Professorin am Erfurter Campus der IUBH Internationalen Hochschule, gibt Tipps für Punkte, an denen deutsche (Hoch)-Schulen derzeit noch arbeiten können, sodass virtuelles Studieren funktioniert:

 

1. Schulungen für Lehrende anbieten

Auch für die Lehrenden an Hochschulen und die Lehrer an Schulen kam der Lockdown und der Umstieg auf alternative und dabei virtuelle Lehrmethoden plötzlich. Vielfach wurden diese Berufsgruppen erstmals oder zumindest in diesem Umfang mit online-Lehr- & Unterrichtsmethoden konfrontiert. Ein Schulungsangebot und die Unterstützung durch Kollegen z.B. aus dem Fernstudium, die mit dieser Form des Lehrens und Unterrichtens vertraut sind, sind daher elementar für eine rasche und erfolgreiche Umsetzung. Die IUBH bot beispielsweise zum Anfang des Lockdowns im März, deutschlandweite und kostenfreie Webinare zum Thema virtuelles Lehren für alle interessierten (Hochschul-)Lehrer an. Meiner Meinung sollten alle Lehrenden die Möglichkeit haben an derartigen Schulungsmöglichkeiten teilzunehmen und dieses Angebot – bestmöglich auch zur kontinuierlichen Weiterbildung – auch zu nutzen. Die investierte Zeit zahlt sich aus.

 

2. Medien-Akzeptanz erhöhen

Lehrende sollten sich Zeit mit den Studierenden einräumen, um die Nutzung der digitalen Medien zu besprechen und zu erlernen. Feedback und Austausch stehen an erster Stelle. So habe ich an der IUBH beispielsweise eine Veranstaltung damit verbracht, die Medien mit einfachen Inhalten zu testen und die Reaktionen der Studierenden zu erfassen. Wie funktioniert das Bildschirmteilen? Was passiert bei einem Online-Wissensquiz und der Bearbeitung von Aufgaben in kleinen Gruppen? Meine Studierenden konnten sich somit in kürzester Zeit mit den neuen Lehrmethoden vertraut machen - die ersten Hürden wurden schnell genommen und der Einstieg erleichtert. Mein Tipp: Mit wenigen Anwendungsmöglichkeiten starten (z.B. Nutzung des virtuellen Raums und Arbeit in Kleingruppen) und wenn diese von allen Beteiligten problemlos angewendet werden können, Abwechslung durch weitere Optionen (z.B. Wissensquiz am Smartphone) schaffen.

 

3. Persönlichen Austausch ermöglichen

Das, was meine Studierenden am meisten an dem Präsenz-Studium vermissen, ist der persönliche Austausch untereinander. Daher rate ich Lehrenden, dass sie während des Semesters jede 3., 4. Oder 5. Veranstaltung  dazu nutzen, den Studierenden die Möglichkeit zu geben, sich miteinander zu unterhalten. Studierende und Schüler wünschen sich Gespräche und dabei Kommilitonen und Mitschüler, mit denen sie sich über Geschehnisse oder Unterrichtsstoff, aber auch über persönliche Dinge und Empfindungen austauschen können. Ich gebe meinen Studierenden von Zeit zu Zeit die Möglichkeit, sich in randomisiert zugeordneten  Gruppen auszutauschen. Dabei können auch  kleine Aufgaben wie „Was ist euer Lieblingsfilm und warum“, helfen, das Eis zu brechen. Es ist der Versuch das Campusgefühl mit teilweise zufälligen Begegnungen und Gesprächen in den virtuellen Raum zu übertragen. Spannend finde ich, dass durch die Zufallszuordnung Gruppen-Konstellationen entstehen, die im realen Leben vielleicht so nicht stattgefunden hätten – in der analogen Welt sucht man doch eher den Kontakt zu den bekannten Freunden. Dadurch können sich ganz neue Ansätze, Ideen, aber auch Bekanntschaften ergeben.

 

4. Technische Ausstattung und Umgebung prüfen

Lehrende sollten einen neutralen Hintergrund vorbereiten, der nicht ablenkt, um besser wahrgenommen zu werden. Eine einfache Wand im Hintergrund und ein gut ausgeleuchteter Platz können da schon helfen. Das technische Equipment ist ebenfalls wichtig. Ich arbeite mit einer externen Kamera und einem Headset, um optimale Bedingungen zu schaffen. Auf einem zusätzlichen Bildschirm sehe ich die Studierenden, die eine Kamera eingeschaltet haben in einem Videopanel – das ist eine große Hilfe, da ich so zumindest teilweise die Reaktionen in den Gesichtern der Studierenden sehen kann, d.h. scheint der Lehrstoff verstanden worden zu sein oder auch, sind die Studierenden erschöpft und brauchen eine kurze Pause, um das Gehörte zu verarbeiten. Der große Vorteil des digitalen Equipments: Papierloses Austauschen von Lehrinhalten, ganz ohne Abfall und gut für die Umwelt.

 

5. Eine klare Struktur bei den genutzten Plattformen und Methoden schaffen

Zu Beginn des Semesters empfehle ich festzulegen, welche Tools genutzt werden, wo Veranstaltungsmaterialen abgerufen und auch abgelegt und ausgetauscht werden können. Zusätzlich haben wir für das Miteinander im virtuellen Raum eine Art Leitlinie erarbeitet – wie schaffen wir gegenseitigen Respekt im virtuellen Raum mit z.B. wie und warum ist die Kamerafunktion zu nutzen, wie beteilige ich mich an Diskussionen (virtuelles Handzeichen) oder auch, was ist zu tun, wenn ein Beteiligter während der Veranstaltung den virtuellen Raum verlassen muss oder die Internetleitung beim Lehrenden unterbrochen wird. Mein Motto: Struktur schafft Sicherheit.

 

Bildmaterial: https://www.iubh-university.de/aktuelles/news-und-presse/pressedownloads/

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