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16. März 2020, 15:13 UHR |

Presseinformation: Digitalisierung steht bei KMU ganz oben auf der Agenda

Aktuelle Studie zur digitalen Transformation bei Logistikdienstleistern

Die digitale Transformation ist eine zentrale Herausforderung. Unternehmen, Verbände und Politik haben schon vor Jahren erkannt, dass Digitalisierung notwendig ist, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit einzelner Firmen und der gesamten deutschen Volkswirtschaft zu sichern. Neuere Studien zeigen, dass die Digitalisierung inzwischen auch im Mittelstand angekommen ist – und zwar nicht nur perspektivisch als Strategie, sondern immer stärker auch in der betrieblichen Praxis. Für viele deutsche Unternehmen bietet die Digitalisierung erhebliche Chancen. Sie ist ein großes Potenzial, um den eigenen Marktanteil nicht nur zu halten, sondern auszubauen – und so den langfristigen Unternehmenserfolg auch im internationalen Wettbewerb zu sichern.
 

Die IUBH Studie zeigt: Deutschen Logistikern fehlt es oft noch an einer klaren Linie

 
Eine aktuelle Studie der IUBH Internationalen Hochschule zum Thema „Transport & Logistik – Digitale Transformation LDL 2019“ unter der Leitung von Prof. Dr. Hubert Vogl beschäftigt sich mit der Frage, wie es um die Digitalisierung bei Logistikdienstleistern (LDL) steht. Zu diesem Zweck wurden im Zeitraum Oktober bis Dezember 2019 Experteninterviews mit 35 Führungskräften aus dem Logistik- und Transportbereich geführt und ausgewertet. Im Fokus der qualitativen Studie standen dabei zwei Fragestellungen: Wo stehen die deutschen klein- und mittelständischen Logistikdienstleister im Rahmen ihrer digitalen Transformation, und wie gehen sie diesen sensiblen und gleichzeitig hochdynamischen Entwicklungsprozess an? Ist die Vorgehensweise in erster Linie von einem fremdgesteuerten Aktionismus geprägt, oder wird der Entwicklungsprozess durch eine systematische und strategieorientierte Reifegradentwicklung geführt und unterstützt?

Auch für Logistikdienstleister steht die digitale Transformation mittlerweile ganz oben auf der Agenda. Die Unternehmen arbeiten intensiv daran, ihre Prozesse, Produkte und Dienstleistungen durch den Einsatz digitaler Technologien zu optimieren. Allerdings hat die Mehrheit der befragten Logistikunternehmen noch Handlungsbedarf bei der systematischen, ganzheitlichen und strategieorientierten Vorgehensweise. So verfolgt weniger als die Hälfte eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie, und nur rund jedes dritte Unternehmen geht aktiv auf seine Kunden zu, um ihnen den Mehrwert ihrer digitalen Ideen und Lösungen zu vermitteln. Bei der Schwerpunktsetzung sind signifikante Unterschiede zwischen Transport- und Logistikdienstleistern nur in wenigen Ausnahmefällen zu erkennen, beide sehen sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber.

Die digitale Transformation ist in vollem Gange, die Herausforderungen sind enorm

 
Die Digitalisierung ist bei den deutschen Logistikern nicht nur angekommen, sondern wird aktiv vorangetrieben, und zwar sowohl im Transport-, als auch im Kontrakt- und Supply Chain-Bereich.
Logistikdienstleister haben erkannt, dass sie sich dazu von einer über viele Jahre und Jahrzehnte manifestierten Fremdbestimmung und einer reinen Fokussierung auf die Umsetzung von Kundenvorgaben lösen müssen. Das Paradigma der Null Fehler-Philosophie, das in logistischen Wertschöpfungsprozessen bisher auch aufgrund der Anforderungen aus dem Qualitätsmanagement vorherrscht, macht es LDL zusätzlich schwer, den Kulturwandel vorzunehmen, der für eine erfolgreiche digitale Transformation und einen positiven Umgang mit Fehlern erforderlich ist.

Dazu kommt, dass auch die Kunden in Bezug auf ihre strategische Ausrichtung noch oft unsicher sind. Sie müssen sich zunächst selbst mit der digitalen Transformation und den damit verbundenen Herausforderungen auseinandersetzen. Dadurch stehen ganze Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand und müssen neu justiert werden. Das hat auch Auswirkungen auf deren logistische Dienstleister, denn Industrie und Handel nehmen sich bei der Formulierung digitaler Vorgaben und Anforderungen zurück. Außerdem stehen wichtige Industriezweige wie die deutsche Automobilindustrie vor einem großflächigen Strukturwandel: Die Ausbringungsmengen sinken, und damit sinkt auch die Auslastung der Logistikdienstleister. Auf der anderen Seite wachsen der Onlinehandel, Paketzustellungen und der Güterverkehr seit Jahren stetig an und verlangen nach innovativen und agilen Logistik- und Transportkonzepten.

Logistikdienstleister müssen sich stärker abgrenzen und selbstbestimmter agieren

 
Sowohl Innovationsfähigkeit als auch Agilität erfordern ein hohes Maß an Selbstbestimmung, Proaktivität und klare strategische Ausrichtung. Doch Selbstbestimmung muss erlernt werden – auch und gerade von Logistikunternehmen in Zeiten der Digitalisierung. Sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter müssen dazu nicht nur neue Kulturtechniken lernen, sondern auch ihre beruflichen Fertigkeiten und Kompetenzen erweitern. Die Etablierung eines reifegradorientierten Change-Managements kann den digitalen Transformationsprozess von kleinen und mittelständischen LDL unterstützen und sogar beschleunigen. Und zudem kann dieses Vorgehen dabei helfen, erfolgreich die nächsten Schritte zur Selbstbestimmtheit zu bewältigen.

Zur Person

 
Hubert Vogl lehrt an der IUBH als Professor für Logistikmanagement, zusätzlich hat er die Studiengangsleitung in diesem Fachbereich inne. Seine Schwerpunkte sind Beschaffungs- und Produktionslogistik, Logistikdienstleistung und Supply Chain Management. Im Rahmen seiner Forschungsaktivitäten stehen digitale Transformationsprozesse bei KMU sowie innovative Nachhaltigkeitskonzepte in den Lieferketten im Fokus. Während seiner früheren Tätigkeit als Geschäftsführer bei der Scherm Gruppe hat er im Themengebiet „Anlaufreifegrad-Management in der Kontraktlogistik“ promoviert. Parallel hierzu entwickelte er als Leiter des Arbeitskreises „Logistikdienstleister“ beim Verband der Automobilindustrie (VDA) kundenspezifische Qualitätsstandards für logistische Prozesse.

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